Mittwoch, 20. November 2013

Zwei Wochen Damaraland/Kaokoveld



Fr        15.11.2013    Campsite der Brandberg White Lady Lodge
Morgens machen wir noch eine kurze Wanderung um die Anlage herum. Neben dem Flussbett türmen sich schön bizarre Felsen. 
Balance

Im Schatten der großen Mopane-Bäume bleibt es auf der Campsite angenehm kühl. So bleiben wir bis 11 Uhr. Auf der Straße vor dem Camp können wir kurz im Internet einige Unterkünfte recherchieren. Wir würden am liebsten auf der Campsite der Erindi-Onganga Gästefarm übernachten, aber sie ist schon ausgebucht. So fahren wir zum Brandberg. Eine Nebenstrecke ist erst etwas abenteuerlich, sobald wir die Hauptstraße verlassen haben, sie windet sich in den Bergen entlang des Ugab River. Zum Glück wird sie aber bald besser und nähert sich langsam dem Flussbett. Dort entdecken wir eine ganz tolle Felsenformation, so ähnlich wie wir sie schon an der Blutkuppe und auf Wüstenquell gesehen haben. 

"Elefant"


Die White Lady Lodge liegt am Ugab-Trockenfluss am Fuß des Brandbergs. Wir waren früher schon mal hier, jetzt sieht es aber ganz aus, das Lodge-Gebäude ist neu mit einem schön angelegten Garten mit vielen Sukkulenten in der steinigen Umgebung. 


Wir melden uns zum Dinner-Buffet an. Die Campsite ist riesig ausgedehnt, aber leider kommt ab dem Nachmittag wieder ein starker Wind auf, der große Staubwirbel durch den Platz treibt. Wir stellen uns nur kurz ab, duschen, und flüchten dann zur Lodge, um uns in den windgeschützteren Garten am Pool zu setzen. Wegen unserer 14-Tage Farmhaus-Übernachtung auf der Omandumba Farm ab Sonntag telefonieren wir noch mit dem Farmer. Überraschenderweise können wir schon am Samstag einziehen. So ist heute erst mal die letzte Zeltübernachtung. Leider ist hier das Internet auch so langsam, dass der Blog weiter warten muss. Neben der Bar am Durchgang zum Speisesaal ist ein Papageien-Käfig, und der Papagei ersetzt einen Bewegungsmelder, er macht bei jedem der vorbeigeht ein Alarmgeräusch. Das Abendessen ist ein Buffet mit Oryxgulasch, gebratenen Hühnerstücken, Kartoffelgratin, Reis, gedünstete Gemüse und zwei Salaten. Wir sitzen mit einem südafrikanischen Paar aus Ellisras zusammen, die mit einem Landcruiser und Aha-Aufbau nach Terrace Bay zum Fischen unterwegs sind. Der Aufbau auf der Ladefläche sieht zugeklappt wie ein Canopy aus, daraus entsteht eine Art Zelt mit Stehhöhe und Kücheneinrichtung. Das Personal macht nach dem Essen eine Gesangseinlage. 


Do      14.11.2013    Madisa Campsite am Goantagab
Früh ist es bewölkt, wir laufen ein wenig in der Umgebung herum. Als die Fliegen zu lästig werden, brechen wir auf. Wir müssen im Flussbett weiter flussaufwärts bis zu unserem Ziel. Zuerst gibt es noch einen Umweg über eine verlassene Ansiedlung, aber dann geht die Piste nur noch im Tiefsand des Flussbetts. Das geht nur mit 4x4 mit Vollgas im ersten Gang, und es gibt keine Stellen, wo es einfacher geht; keine Möglichkeit, mal anzuhalten. Man hat auch überhaupt nichts von der Umgebung, weil man sich voll auf die Spur im Sand konzentrieren muss, die Piste ist zerfahren und hat oft mehrere Spuren, die man nicht wechseln sollte, weil dann der Widerstand noch größer ist. Auf dem Navi sehen wir nach 10 km einen Ausstieg, den wir mit letztem Schwung schaffen, weil wir ja die Spur im Sand rechtwinklig verlassen müssen. Wir hätten noch 20 km vor uns, das wollen wir uns und dem Motor nicht antun. So fahren wir 15 km Umweg auf besseren Pisten. Erst als wir auf die offizielle Straße treffen, sehen wir nach drei Tagen wieder ein Auto und Leute.
Das Madisa Camp liegt am etwas erhöhten Ufer des Goantagab. Es sieht bestimmt toll aus, wenn er mal fließt. Es ist niemand zu sehen, so schauen wir uns um, es gibt sogar einen Pool, die Campsites sind ummauert, haben Spülbecken und Grillstelle. Dusche und Toilette sind auf einer drei Meter hohen Plattform aufgebaut, das ist ein neues Design, das wir noch nicht gesehen haben. Wir suchen uns eine der Sites aus. Schatten spenden große Mopane-Bäume, aber auch die dazugehörigen Fliegen, die ziemlich lästig sind. In der Ferne einige Gewitterwolken, wir hören auch Donner. Es gibt verschiedene Vögel in den Bäumen und Büschen des Flussbetts zu beobachten. Abends bleibt es schön mild.


Mi        13.11.2013    Camping im Goantagab-Trockenfluss
Früh ist es ganz dunstig, im Norden hängen graue Wolken, vielleicht hat es dort geregnet. Die Piste geht zuerst leicht ansteigend durch weite Ebenen, die nach Regen ganz grün sein müssen, aber jetzt braun sind. Als sie die Berge erreicht und überqueren muss, wird sie teilweise sehr schlecht, das Auto muss über viele Steine holpern, die den Wegbelag bilden. Das ist nicht so lustig. Immerhin sehen wir auf der Piste die Spuren von mehreren Rhinos. Nach 35 km und mehreren Stunden erreichen wir die Piste, die von Twyfelfontein zum Doros-Krater geht. Hier ist alles dürr und staubtrocken, keine Tiere weit und breit. Von hier gibt es eine Piste, die in das Flussbett des Goantagab führt, einem Nebenfluss des Ugab. Den Goantagab fahren wir flussaufwärts, teils tiefsandig, und finden einen Übernachtungsplatz, wo die Piste mal in einem Seitental entlangführt. Vorher sehen wir sogar vier Giraffen. 


Di        12.11.2013    Camping nördlich des Huab
Der Elefant ist früh immer noch im Flussbett. 

Viele Vögel unterhalten uns.
Hornbill bei der Selbstbetrachtung
Auf der Weiterfahrt fragt die Veterinärkontrolle von Nord nach Süd nur nach „raw meat“, lässt uns aber ansonsten in Ruhe. Im Miniladen kaufen wir Vetkoek für den Nachmittagskaffee. Die Strecke nach Süden führt durch großartige Landschaft, ist aber nicht so angenehm, sie ist etwas holprig und viel befahren, so werden wir öfter eingestaubt. Wir steuern den einzigen Laden an unserem Weg an, der hat aber nur ein erschreckend kleines Sortiment. Wir haben zum Glück noch Vorräte für die nächsten drei bis vier Tage. Vorbei an der Doro-Nawas Lodge und dem nahezu verlassenen Ort De Riet fahren wir in das breite Flussbett des Huab. An Tieren ist an dem kurzen Stück, wo wir in Fluss fahren, wenig zu sehen, ein paar Oryx und eine kleine Gruppe Elefanten im Schatten der Bäume, ein ganz kleines Baby schläft am Boden. Wir haben als Ziel eine Piste, die es auf keiner Karte gibt, die wir in Google Earth gefunden haben. Sie führt vom Huab durch die Berge zum Doros-Krater. Der Huab ist ein weiterer der großen Trockenflüsse, die von der Namib zum Atlantik fließen. Von Nord nach Süd sind das der Khumib, Hoarusib, Hoanib, Uniab, Huab, Ugab, Swakop und Kuiseb. Der Ausstieg aus dem Fluss ist einfach, und wir stellen uns etwa einen Kilometer entfernt vom Fluss ab, dort wo etwas mehr Gestein beginnt und nicht mehr der feine, staubige Flusssand ist. Wir stellen unsere Markise aus und haben einen schönen Blick auf den Fluss, sogar die Elefanten am Ufer sehen wir mit dem Fernglas. Eigentlich wollen wir hier campen, aber der Wind entlang des Huab von Westen nimmt immer mehr zu und wirbelt riesige Staubwolken aus dem Flussbett auf. Die erreichen uns schließlich auch, und so flüchten wir fünf km weiter in ein Seitental, dort ist es ruhiger und nicht so staubig. Der Blick zurück zum Huab zeigt das Tal ganz in Staub eingehüllt, das sieht erschreckend aus. Der Campingplatz ist gut gewählt, wir stehen am Fuß des Hügelrückens, der das breite Seitental einfasst. 


Es gibt sogar eine kleine Felsformation, die als natürliche Feuerstelle ideal geeignet ist. Eigentlich brauchen wir kein Feuer, aber wir haben heute Kartoffeln gekauft, die in Folie geschmort werden. 


Mo      11.11.2013    Palmwag Lodge Campsite
Früh machen wir noch eine kleine Wanderung, dann geht es zurück nach Palmwag, 150 km. Damit schließt sich unser Kaokoveld-Loop. Die Piste ist gut, wir kommen flott voran. 
 
staubige Piste

Als die Piste die Palmwag-Concession erreicht, sehen wir wieder mehr Tiere, Giraffen und Kudus. Wir buchen an der Rezeption die Campsite Nr. 6 mit Blick auf den Uniab-Trockenfluss, der direkt an der Lodge vorbeigeht. 
Elefantenwarnung

Als wir zum Parkplatz zurückkommen, haben wir wieder einen Platten! Jetzt sind es schon zwei, weil der in Sesfontein geflickte Reifen die Luft doch nicht hält. Aber zum Glück repariert uns der Workshop der Lodge beide Reifen. Das kostet zwar 270 N$, aber wir hoffen, dass wir jetzt wieder zwei brauchbare Ersatzreifen haben. Hier ist es heiß, wir messen wieder 36 Grad. Wir versuchen den Blog einzustellen, aber diesmal ist das Internet hier so langsam, dass es nicht funktioniert. Es gibt wieder Jägerschnitzel aus Wildfleisch am Pool-Bereich. Eine große, geführte Gruppe von Motorradfahrern übernachtet heute in der Lodge. Nach Sonnenuntergang frisst direkt vor uns im Ried des Flusses ein Elefant.


Palmwag Sunset


So       10.11.2013    Camping Camp Aussicht
Am Vormittag schauen wir uns die Mine an, erst wurde mit Presslufthämmern fünf Meter in die Tiefe gebohrt und das taube Gestein abgetragen bis die gesteinsführende Schicht getroffen wurde. Dann wurden waagrechte Stollen entlang der Adern gegraben, einer ist 25 Meter lang, der andere 40 Meter. Das Mineral wird an Sammler als Kristalle verkauft, oder von Marius zu Schmuck geschliffen. 
 
Dioptas-Einschlüsse im Fels

Wir fragen Marius wegen unseres Lecks am Auto, und er kommt vorbei und schaut es sich an. Er meint, dass es unkritisch sei, man müsse nur den Ölstand in der Vorherachse kontrollieren. Manfred hatte es nicht geschafft, die Einfüllschraube zu lösen, aber Marius als erfahrener Mechaniker schafft es, hier muss man sich selber helfen können. Die nächste Werkstatt ist 70 bzw. 270 km entfernt. Er meint, dass das Öl sogar übervoll war und deswegen herausgedrückt wurde. Nun sind wir beruhigt. Abends wird die Campsite sogar übervoll, erstaunlich, weil es sonst eher leer ist. Es gibt mal wieder einen farbenprächtigen Sonnenuntergang.


Sa       09.11.2013    Camping Camp Aussicht
Wir machen uns auf Richtung Sesfontein. Der Track bleibt schlecht, Wildtiere sehen wir keine mehr, später tauchen die ersten Kühe auf. Wo der Track auf die große Piste von Sesfontein nach Purros mündet, ist eine Wassertränke für Vieh. Die Hauptpiste ist zwar etwas besser, aber auch zum Durchschütteln. Wir sind nun doch froh, dass ab Sesfontein eine Schotterpiste sein wird, die besser unterhalten wird. Irgendwann wird man doch der schlechten Pisten überdrüssig.
Piste Richtung Sesfontein
In Sesfontein steuern wir erst den einzigen Laden an, können aber unsere Wunschliste nur zu einem kleinen Teil abhaken. Kein Gemüse außer Zwiebeln, kein Kuchen, keine Tomatendosen, kein Brot, kein Käse, keine Eier und sowieso kein Fleisch. Aber wenigstens Milch und Bier. Die Tankstelle der Fort Sesfontein Lodge hat Benzin. In der Lodge fragen wir nach einer Reifenreparatur, und ein Angestellter kümmert sich um den Reifen. Während wir warten, trinken wir einen Kaffee und lesen unsere Mails. Das Internet ist aber so langsam, dass der Blog weiter warten muss.
Fort Sesfontein war ein Posten der deutschen Schutztruppe um 1900. Es war eine ziemliche Ruine, als es vor 15 Jahren als Lodge wieder aufgebaut wurde. 


Der Innenhof ist ganz nett angelegt mit Palmen und Bäumen. Nach einer Stunde ist unser Reifen repariert, wie gut er hält, muss sich noch zeigen. Die Reparatur kostet nichts, wir sollen geben, was wir angemessen halten, wir geben 70 N$, was durch ein breites Lächeln erwidert wird.
Es sind noch 60 km bis Camp Aussicht, das im Bergland weiter im Norden an der Piste nach Opuwo liegt. Die Schotterstraße ist im Prinzip gut, hat aber einige abenteuerliche Steigungen. Camp Aussicht liegt, wie der Name sagt, auf einem Hügel in 1570 Meter Höhe. Wir sind ganz perplex, als wir die Höhe am Navi ablesen, Sesfontein war nur 500 Meter hoch. 
 
"Aussicht"

Es gibt ein paar Zimmer und vier Campsites mit Schattendach, das ist nötig, weil es keinen Baumschatten gibt. Die Dusche ist eine Kübeldusche, die man selbst befüllt, zur Zeit gibt es kein warmes Wasser, aber besser als nichts nach den Staubtagen. Und das Auto kann mit einem Schwammtuch innen etwas von der dicken Staubschicht befreit werden. Alles Wasser ist aufgefangenes Regenwasser, man muss sparsam damit umgehen. Der Besitzer ist Marius Steiner, der hier seit über 20 Jahren eine kleine Dioptas-Mine betreibt, ein Kristall, der aus Kupferoxid gebildet wird. Sein Vater ist aus Donauwörth mit dem Fahrrad in zwei Jahren Fahrzeit ins südliche Afrika ausgewandert. Wir hatten uns zum Abendessen angemeldet, mit einer Reisegruppe, die in den Zimmern übernachtet. Die Gruppe hatte mit Marius heute eine Tour in den Hoanib gemacht. Es gibt Bobotie, Reis, Krautsalat und Tomatensalat, zum Nachtisch einen feuchten Kuchen mit Fruchtsalat und Vanillesauce. Abends ist es für die Höhe noch erstaunlich warm, 22 Grad als wir ins Zelt gehen. 


Fr        08.11.2013    Camping im Ganumub River
Früh machen wir eine Wanderung auf einen der steinigen Berge, die sich am Tal entlangziehen. Der Aufstieg ist einfacher als es zunächst aussieht, oben finden wir sogar Dung von Bergzebras, erstaunlich wo die überall herumklettern. Faszinierend ist die Vielfalt der Gewächse auf dem Hügel, verschiedenartige dürre Bäume im Miniaturformat.


Bei der Weiterfahrt taucht bald das Tal des Obias auf, dem wir bis zum Hoanib folgen. Der Obias geht durch eine wilde Schlucht nach unten. 
Obias Schlucht

Ein paar km vor der Mündung ist eine zum Campen gut geeignete Stelle an einem großen Felsen, wir waren schon früher da, hier wollen wir ein Picknick machen. Der große Schattenbaum ist inzwischen leider umgestürzt. Aus dem Picknick wird nichts, wir haben einen Platten, wohl ein spitzer Stein hat ein Stück des Profils abgeschabt, vielleicht ist der Reifen damit zum Wegwerfen. 


Der Reifenwechsel ist problemlos, aber dabei entdecken wir, dass die Antriebswelle zur Vorderachse (für den 4x4-Antrieb), an der Stelle, wo sie in die Achse mündet, ein Ölleck hat, die Dichtung ist hinüber. Das ist akut noch kein Problem, muss aber demnächst repariert werden. Heute ist anscheinend kein so guter Tag.
Weiter geht es auf Wellblech-Sandpiste im Hoanib, vorbei an Oryx und Giraffen, bis zum nächsten Nebenfluss, dem Ganumub, den wir hochfahren wollen, um zur Hauptpiste nach Sesfontein zu kommen. Der Stress ist noch nicht beendet, beim Abbiegen in den Ganumub erwischen wir ein Stück der alten Piste, die nach 30 Metern im Sand aufhört, sie ist weggeschwemmt und endet vor einer Sandbank. Zum Glück können wir gerade noch auf ein Schotterstück fahren, sonst wären wir steckengeblieben, da wir ja in Tiefsand hätten anhalten müssen und sich Tiefsand nur mit Schwung befahren lässt. Wir wenden vorsichtig auf dem Schotter und fahren zurück – Glück gehabt. Jetzt ist es aber genug mit dem Adrenalin. Leider ist auch die Piste im Ganumub stark mit Wellblech durchsetzt. Es müssen jetzt viel mehr Autos diese Pisten fahren als früher, seit jeder mit Navi und entsprechenden Karten das machen kann. Nach 10 km finden wir eine Spur, die abzweigt, sie führt zu einer wilden Campsite, die wohl öfter benutzt wird, es gibt zwar keinen Schatten, aber wir bleiben hier und fahren unsere Markise aus. Es weht ein beständiger Wind, der zwar einerseits kühlt, aber auch irgendwie nervt und ab und zu Sandböen über uns wirft. Na ja, man kann es auch positiv als eine Art Trockenshampoo sehen – schließlich ist es der fünfte Tag ohne Dusche. Heute sehen wir kein einziges Auto.


Do      07.11.2013    Camping zwischen Sawurogab River und Obias River
Vormittags fahren wir die 10 km den Mudorib hinunter, bis er in den Hoanib mündet. An der Einmündung türmen sich riesige Schotter- und Sanddünen auf. Der Hoanib ist einer der großen Trockenflüsse, die die Namibdünen durchstoßen haben und ins Meer münden, wenn es im Inland mal genug geregnet hat. 
 
im Hoanib Flussbett

 
Strauße im Hoanib

An der Mudorib-Mündung gibt es eine solarbetriebene Wasserstelle. Die Pumpe und die Behälter sind elefantensicher eingebaut, man kann aber ins Innere, wo gerade der Wassertank überläuft, vielleicht funktioniert der Füllstandsmesser nicht. Das gibt uns Gelegenheit, etwas Brauchwasser abzufüllen. Im Hoanib stehen riesige Ana Trees, daneben wirken Giraffen klein. Die Piste im Fluss ist gut zu befahren. Wir begegnen einem Touristenauto und einem Tour Operator-Auto. Ein Elefant schreitet Richtung Wasserloch, ein weiterer steht im Schatten eines Baumes. 


Wir fahren 10 km nach Westen bis Amspoort, hier endet der zugängliche Bereich, weiter Richtung Meer ist der Weg wegen des Skeleton Coast Nationalparks gesperrt. Zu unserem Erstaunen sehen wir plötzlich zwei Geparden, das hätten wir in dieser Gegend nicht erwartet. Wir fahren zurück bis zur Mudorib-Mündung, hier zweigt gegenüber eine Piste nach Norden in den Sawurogab River ab. 2008 hatten wir hier mal ein paar Kilometer flussaufwärts gecampt, sind aber nie weiter nach Norden gefahren. Deswegen wollen wir das mal ausprobieren. Der Sawurogab ist landschaftlich nicht so toll, etwas strukturlos, und die Berge rechts und links eher eintönig. Es gibt nur wenig trockene Vegetation. Umso mehr sind wir überrascht, als wir direkt am Weg unter einem der wenigen Bäume fünf jüngere männliche Löwen finden. Zwei davon haben Halsbänder. Es müssen die „Five Musketeers“ sein, benannt und mit Halsbandsendern versehen von dem Wüstenlöwenforscher Flip Stander (www.desertlion.info). Sie lassen sich gut beobachten, wir möchten ihnen aber nachts lieber nicht begegnen ;-)


Da wir uns nicht einigen können, wo wir übernachten wollen, biegen wir erst mal über die Berge ab Richtung Obias River, ein weiterer Nebenfluss des Hoanib. Das führt uns über den „Fearless Pass“, der aber gar nichts so viel Wagemut erfordert. Wir campen schließlich in einem Bergtal auf einer Schotterfläche. In der Ferne wandert eine Giraffe.


Mi        06.11.2013    Camping am Mudorib River in der Palmwag Concession
Früh ist es kühl, aber die Sonne wärmt schnell. Die Wolken lösen sich wieder auf. Als es heißer wird, machen wir uns auf die Weiterfahrt nach Norden. An der Hunkab-Quelle steht am späten Vormittag das Camp des Zweier-Konvois von gestern. Sie erzählen, dass sie nur zum Frühstück von ihrem Übernachtungsplatz hergefahren sind, weil sie gestern fünf Löwen gesehen haben. In der Nähe gibt es aber keine legale Campsite, weil die Tiere sonst gestört würden, die zur Quelle wollen. Ihr offensichtlicher Übernachtungsplatzliegt nur ein paar hundert Meter weiter. Wir finden das nicht richtig, weil es die Tiere vom Wasser abhält. Wir sehen auch in der Umgebung der Quelle keine Tiere.
Der Weg verlässt nun langsam die Gravel Plains und erreicht die Berge längs des Hoanib River. 


Er geht in einem größeren Nebenflusstal entlang, das sich schlecht fahren lässt; loser, tiefer Feinschotter, abwechselnd mit Steinplatten und sandigeren Stellen, hier brauchen wir dauernd den Allradantrieb. Aber flussaufwärts wäre es noch schwieriger. Wo die Piste auf den Mudorib trifft, einen großen Nebenfluss des Hoanib, beginnt wieder mehr Vegetation mit großen Bäumen. Alle Flüsse hier im Damaraland sind Trockenflüsse. Wir biegen ein Stück in den Mudorib ab und suchen uns eine Stelle am Rand zum Campen (C7), mit großen Mopanebäumen als lichter Schatten. 



Leider umschwirren uns deswegen auch wieder die Mopane Bees. Es bleibt sehr ruhig hier, wir hören und sehen kein Tier, obwohl es viele Tierpfade und Giraffenspuren gibt. Zum Abendessen Gnocci mit Tomatensoße. Der junge Mond wirft schon wieder Schatten. Wir hängen die Wildkamera auf, aber sie zeigt keine nächtlichen Bewegungen.


Di        05.11.2013    Theun’s Campsite in der Palmwag Concession
Nachts wird Manfred von einem Geräusch geweckt, und das Auto wackelt, weil etwas dagegen stößt. Als er sich bewegt, springt ein Tier kurz weg, bleibt aber in der Nähe des Autos und berührt es noch mehrmals. Wir leuchten mit der Taschenlampe, sehen aber nichts. Nach zehn Minuten wird es wieder ruhig. Beatrix meint, es ist ein Springbock, Manfred tippt auf einen Honigdachs. Morgens sehen wir Tatzen, und die Wildkamera entlarvt schließlich eine große Tüpfelhyäne, die am Auto schnüffelt. 


Ein paar Kilometer nach dem Camp ist die Gai-Ais Quelle. Der weitere Weg geht erst entlang des Obob River und wendet sich dann nördlich über riesige Gravel Plains, die kaum noch sichtbaren Bewuchs haben. Trotzdem sehen wir an einigen Stellen wilde Melonen, es muss mal einen Regenschauer gegeben haben. Hier fangen auch die Welwitschia-Pflanzen an, die es nur in der trockenen Namib gibt. Die Blicke gehen schier unendlich weit, der Weg windet sich immer wieder bis zum Horizont, ganz unwirklich erscheint manchmal die Landschaft, mit Seen als Fata Morgana in der Ferne. 


Die Tierdichte und Vegetation nimmt ab, nur die Welwitschien nehmen zu. Die einzigen Autos sind ein Zweier-Konvoi von Touristen.
Theun’s Campsite, nur erkennbar durch Reste von Lagerfeuern, liegt am kleinen Steilufer eines Trockenflusses, neben der Stelle, wo die Piste den Fluss quert. Die Landschaft hier ist flach, die Berge sind weit im Osten zurückgeblieben, und man sieht den Küstennebel 50 km westlich am Horizont. Von dort her weht ein merklich kühler Wind. Schon heute früh war es teilweise wolkig, und im Norden und Osten bilden sich Quellwolken, aus denen anscheinend Regen fällt, der wahrscheinlich den Boden gar nicht erreicht. Wir hören sogar mal Donner.
Abends gibt es Bratkartoffeln mit Röstzwiebeln und Käse, dazu Wildsalami. Es kühlt schnell ab, und wir sind froh, dass wir genug Feuerholz haben. Ausnahmsweise trinken wir nur zwei Dosen Bier, so kühl ist es. Vor 21 Uhr gehen wir schon ins Zelt, weil es nur noch 14 Grad hat, der bisher kälteste Abend. Hier brauchen wir keine Wildkamera aufzustellen, Tiere gibt es nur in der Regenzeit, außer zwei Schildraben, die laut krächzen.


Mo      04.11.2013    Kai-Ais Campsite in der Palmwag Concession
Noch Sonntag: Heute ist eine partiell Sonnenfinsternis, der Mond schiebt sich hier zu einem Drittel in die Sonne, in Kenya/Uganda ist die Finsternis total. Wir haben eine SoFi-Brille dabei und können den Vorgang anschauen. An der Pool-Bar essen wir Jägerschnitzel (Wildfleisch) und Game Steak, dazu ein Windhoek Bier vom Fass. 

Als wir abends noch am Rand der Anlage herumspazieren, sehen wir fünf Elefanten kommen. Leider rennen einige Touristen auf sie zu, so dass sie sich zurückziehen. Später kommt noch ein Bulle aus dem Schilf und wandert ganz gemächlich auf dem Weg von den Chalets zum Haupteingang, dort vorbei und weiter um die Anlage herum. 

Als es schon dunkel wird, sehen und hören wir ihn ganz nahe bei unserer Campsite fressen.
Morgens buchen wir zwei Übernachtungen in der riesigen Palmwag Concession. Das ist ein karges Gebiet von einigen 100.000 Hektar, in dem es unter anderem viele wildlebende Spitzmaulnashörner gibt, der größte Bestand außerhalb von Nationalparks. Und hier leben auch Elefanten, Giraffen, Zebras, Springböcke, Oryx und Gnus. Und wenn man Glück hat, kann man auch mal einem Löwen begegnen. Von der Lodge aus kann man auf einer Piste nach Norden zum Hoanib-Trockenfluss fahren, der die nördliche Grenze der Concession bildet. Manfred meint, dass das Gebiet gehört zu den „Last Wilderness“ in Afrikas. Besiedlung gibt es keine. Der Weg kann wegen der holprigen Steine zumindest teilweise nur in Schrittgeschwindigkeit befahren werden. Den ganzen Tag begegnet uns nur ein Auto. Für 60 km sind wir 7 ½ Stunden unterwegs. Allerdings halten wir dabei einige Mal länger. Einmal bei einer kleinen Herde von Elefanten direkt am Weg, wo er in einem Trockenfluss eine natürliche Wasserstelle quert, ein andermal zum Lunch (Wurst und Käse), und mal zum Nachmittagskaffee und Kuchen, jeweils im Schatten eines Mopanebaumes. In der Sonne kann man es nicht lange aushalten.

Die angestrebte Campsite liegt in der Nähe der Quelle Kai-Ais, am Rand einer Senke mit dichtem grünem Dickicht, in dem leicht ein Dutzend Löwen stecken könnten. Es heulen erst nur Schakale. Größere Tatzenspuren sind aber zahlreich. Der Platz hat eine schöne Lage mit riesig weiter Sicht auf die entfernten Hügel im Umkreis, die sich im Abendlicht rosa färben. Und trotz dieser kargen Landschaft gibt es sogar direkt hier erstaunlich viele Tiere: außer den üblichen Antilopen und Zebras gibt es Vögel wie Rüppelltrappen, Schildraben, verschiedene Lerchen, schrille Rufe von Kronenkiebitzen und immer wieder die nasalen Rufe der Namaflughühner.
Luftlinie sind wir nur noch 65 km vom Atlantik entfernt, im Schatten wird es schnell kühl. Wir machen ein Feuer, um Folienkartoffeln zu braten. Kein künstliches Licht soweit das Auge reicht. Manfred macht einige Fotos des ganz jungen Mondes und der Milchstraße.





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